Mittwoch, 28. November 2012

Story: Blutmond - Am See

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Was bisher geschah erfahrt ihr hier: Blutmond 

„Oh, wie wunderschön es hier ist.“ Mehr kam mir nicht über meine Lippen. Christopher ging an mir vorbei und ich konnte sehen, dass er wieder lächelte. Ich folgte ihm zu einer Wiese wo er den Rucksack ablegte und die Decke hervor holte um sie auszubreiten. Während er mit der Decke zu Gange war sagte er „Sam, es tut mir leid, wie ich eben reagiert habe, das war nicht richtig. Ich habe wohl etwas überreagiert.“ Ich war überrascht, eine solch direkte Entschuldigung hatte mir gegenüber noch niemand ausgesprochen. „Nein, du hattest Recht.“, widersprach ich. Er setzte an um etwas zu sagen, aber ließ es dann doch sein. Schweigend packte er die Lunchpakete aus, die uns Elena gezaubert hatte. Wir saßen nebeneinander auf der Decke und blickten auf den See. In den Bäumen hörte ich die Vögel zwitschern. Still genossen wir die wundervolle Atmosphäre. Es war ein bezaubernder Ort, der nur eine Viertelstunde Fußmarsch von meinem neuen zu Hause entfernt lag.
Langsam begann ich, all das Schreckliche der vergangenen Wochen zu verdrängen. Christopher riss mich aus meinen Gedanken „Es ist wohl nicht einfach in ein Flugzeug zu steigen, dass dich in ein fremdes Leben bringt und zu wissen, dass man nicht zurück kann.“ Er hatte wieder diesen nachdenklichen Ausdruck vom Frühstück im Gesicht. „Ist es das, worüber du nachdenkst?“ fragte ich ihn. Er blickte weiter auf den See und antwortete „Ja, ich versuche mir vorzustellen wie es für dich sein muss in ein Leben gezwängt zu werden, welches für dich bestimmt wurde. In einem Haus mit einer Familie zu leben, die dir fremd ist. Und dann noch von deinem fremden Stiefbruder angekeift zu werden, weil du dir Sorgen um ihn machst.“ Er grinste entschuldigend bei dem letzten Teil des Satzes.


Ich dachte darüber nach wie es mir mit dieser Situation ging und wollte ihm eine möglichst ehrliche Antwort geben „Ich vermisse meine Freunde noch nicht. Ich erlebe hier zahlreiche neue Eindrücke und war am Abend zu müde um an sie zu denken. Die Zeit wird sicher kommen, aber noch ist es nicht soweit. Ich habe ja gerade erst eine Nacht hinter mich gebracht.", er sagte darauf „Aber deine Großmutter vermisst du sicher...". Ich fühlte einen Stich in meiner Brust und mir stiegen Tränen in die Augen. Bloß nicht anfangen zu heulen, was dachte er sich dabei von diesem Thema anzufangen? Ich gab aufgebracht zurück „Warum sagst du das? Natürlich vermisse ich sie! Aber sie ist tot und meine Freunde nicht, dass sind zwei grundverschiedene Dinge.“

Ich war außer mir, es schmerzte so sehr, an sie zu denken. Christopher drehte sich zu mir und blickte mir in die Augen. „Ich wollte dich nicht verletzen. Oft spreche ich meine Gedanken laut aus ohne vorher über sie nachzudenken.“ Ich gab ihm keine Antwort, zu gerne hätte ich ihm an den Kopf geschmissen, womit er mich eben erst belehrt hatte. Aber nun fiel mir der Streit zwischen ihm und seinem Vater wieder ein, den ich unfreiwillig belauscht hatte und entschied nachzufragen „Ich habe gestern zufällig mitbekommen, wie du und dein Vater gestritten haben. Um was ging es da?“ Er drehte sich wieder von mir weg. „Hat deine Großmutter dir nicht beigebracht, dass man die Gespräche anderer nicht heimlich belauschen darf?“ Und da kam wieder ein Seitenhieb, es war also keine gute Idee das Thema anzusprechen, aber nun war es zu spät, also konnte ich es auch durchziehen „Ich habe euch nicht belauscht.“ gab ich bissig zurück „Ich wollte gerade zu euch in die Küche kommen, als ich unfreiwillig Zeuge eurer Unterhaltung wurde.“

Er schien einen Moment lang abzuwägen was er sagen sollte und fragte mich dann „Was hast du denn gehört?“, also war es wohl ein längeres Gespräch gewesen wovon ich nur das Ende mitbekommen hatte. Ich erzählte ihm was ich gehört hatte und er fing an zu lachen. „Ach, wir habe nur über Elena gesprochen. Es ist etwas schwierig mit ihr in letzter Zeit. Mehr steckt da nicht hinter.“ Irgendwie kam mir das merkwürdig vor, wieso sollte sein Vater wegen der Köchin Ohrfeigen verteilen, aber mehr würde ich als Antwort nicht von ihm bekommen, also musste ich mich mit dieser erstmal zufrieden geben, fürs Erste.

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Mittwoch, 28. November 2012

Story: Blutmond - Am See

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Was bisher geschah erfahrt ihr hier: Blutmond 

„Oh, wie wunderschön es hier ist.“ Mehr kam mir nicht über meine Lippen. Christopher ging an mir vorbei und ich konnte sehen, dass er wieder lächelte. Ich folgte ihm zu einer Wiese wo er den Rucksack ablegte und die Decke hervor holte um sie auszubreiten. Während er mit der Decke zu Gange war sagte er „Sam, es tut mir leid, wie ich eben reagiert habe, das war nicht richtig. Ich habe wohl etwas überreagiert.“ Ich war überrascht, eine solch direkte Entschuldigung hatte mir gegenüber noch niemand ausgesprochen. „Nein, du hattest Recht.“, widersprach ich. Er setzte an um etwas zu sagen, aber ließ es dann doch sein. Schweigend packte er die Lunchpakete aus, die uns Elena gezaubert hatte. Wir saßen nebeneinander auf der Decke und blickten auf den See. In den Bäumen hörte ich die Vögel zwitschern. Still genossen wir die wundervolle Atmosphäre. Es war ein bezaubernder Ort, der nur eine Viertelstunde Fußmarsch von meinem neuen zu Hause entfernt lag.
Langsam begann ich, all das Schreckliche der vergangenen Wochen zu verdrängen. Christopher riss mich aus meinen Gedanken „Es ist wohl nicht einfach in ein Flugzeug zu steigen, dass dich in ein fremdes Leben bringt und zu wissen, dass man nicht zurück kann.“ Er hatte wieder diesen nachdenklichen Ausdruck vom Frühstück im Gesicht. „Ist es das, worüber du nachdenkst?“ fragte ich ihn. Er blickte weiter auf den See und antwortete „Ja, ich versuche mir vorzustellen wie es für dich sein muss in ein Leben gezwängt zu werden, welches für dich bestimmt wurde. In einem Haus mit einer Familie zu leben, die dir fremd ist. Und dann noch von deinem fremden Stiefbruder angekeift zu werden, weil du dir Sorgen um ihn machst.“ Er grinste entschuldigend bei dem letzten Teil des Satzes.


Ich dachte darüber nach wie es mir mit dieser Situation ging und wollte ihm eine möglichst ehrliche Antwort geben „Ich vermisse meine Freunde noch nicht. Ich erlebe hier zahlreiche neue Eindrücke und war am Abend zu müde um an sie zu denken. Die Zeit wird sicher kommen, aber noch ist es nicht soweit. Ich habe ja gerade erst eine Nacht hinter mich gebracht.", er sagte darauf „Aber deine Großmutter vermisst du sicher...". Ich fühlte einen Stich in meiner Brust und mir stiegen Tränen in die Augen. Bloß nicht anfangen zu heulen, was dachte er sich dabei von diesem Thema anzufangen? Ich gab aufgebracht zurück „Warum sagst du das? Natürlich vermisse ich sie! Aber sie ist tot und meine Freunde nicht, dass sind zwei grundverschiedene Dinge.“

Ich war außer mir, es schmerzte so sehr, an sie zu denken. Christopher drehte sich zu mir und blickte mir in die Augen. „Ich wollte dich nicht verletzen. Oft spreche ich meine Gedanken laut aus ohne vorher über sie nachzudenken.“ Ich gab ihm keine Antwort, zu gerne hätte ich ihm an den Kopf geschmissen, womit er mich eben erst belehrt hatte. Aber nun fiel mir der Streit zwischen ihm und seinem Vater wieder ein, den ich unfreiwillig belauscht hatte und entschied nachzufragen „Ich habe gestern zufällig mitbekommen, wie du und dein Vater gestritten haben. Um was ging es da?“ Er drehte sich wieder von mir weg. „Hat deine Großmutter dir nicht beigebracht, dass man die Gespräche anderer nicht heimlich belauschen darf?“ Und da kam wieder ein Seitenhieb, es war also keine gute Idee das Thema anzusprechen, aber nun war es zu spät, also konnte ich es auch durchziehen „Ich habe euch nicht belauscht.“ gab ich bissig zurück „Ich wollte gerade zu euch in die Küche kommen, als ich unfreiwillig Zeuge eurer Unterhaltung wurde.“

Er schien einen Moment lang abzuwägen was er sagen sollte und fragte mich dann „Was hast du denn gehört?“, also war es wohl ein längeres Gespräch gewesen wovon ich nur das Ende mitbekommen hatte. Ich erzählte ihm was ich gehört hatte und er fing an zu lachen. „Ach, wir habe nur über Elena gesprochen. Es ist etwas schwierig mit ihr in letzter Zeit. Mehr steckt da nicht hinter.“ Irgendwie kam mir das merkwürdig vor, wieso sollte sein Vater wegen der Köchin Ohrfeigen verteilen, aber mehr würde ich als Antwort nicht von ihm bekommen, also musste ich mich mit dieser erstmal zufrieden geben, fürs Erste.

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