Dienstag, 27. November 2012

Story: Blutmond - Angekommen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Was bisher geschah erfahrt ihr hier: Blutmond

Mein Name ist Samantha, aber meine Freunde nennen mich Sam. Nachdem ich nun meine Habseligkeiten gepackt hatte, gab es für mich nicht mehr viel zu tun. Es stimmte mich traurig, aber ich hatte keine Wahl. Direkt nach der Beerdigung wurde ich in einem Mädchenheim untergebracht und zwei Wochen darauf stand fest, dass ich nun bei meiner Mutter leben musste, die ich nie zuvor getroffen hatte. Sie übergab mich nach meiner Geburt in die Obhut meiner Großmutter, da sie nicht für mich sorgen konnte, sie war selber noch ein Kind als sie schwanger wurde. Meine Großmutter versuchte mir meine Mutter näher zu bringen, in dem sie mir von ihr erzählte. Sie stellte sie als warmherzige und mitfühlende Frau dar und versicherte mir, dass sie mich vermissen würde. Es zerriss mir jedes Mal das Herz, wenn sie mir das sagte, aber ich verschwieg es ihr.


Nachdem das Flugzeug sicher gelandet war, drängelte ich mich nervös durch die Menschenmenge des Terminals Richtung Starbucks, ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Der Laden war überfüllt, wie an einem Samstag zu erwarten war und ich hatte keine Ahnung nach welchem Gesicht ich suchen musste. Auf dem aktuellsten Bild, welches ich von meiner Mutter kannte, war sie in meinem Alter. Mein Herz setzte einen Moment aus, als kurze Zeit später jemand auf meine Schulter tippte: „Samantha? Du siehst aus wie dein Vater.“ Ich habe ihn nie kennen gelernt, also konnte ich es nicht beurteilen. Ich drehte mich um und schaute in braune, neugierige Augen einer Frau die mich erschrocken beäugten. Sie war etwa einen Kopf größer als ich und hatte braune Haare, sie sah dem Teenager von dem Foto das ich kannte doch noch sehr ähnlich. „Hi, ähm, Mom?“ sie antwortete: „Nein, ich meine Ja, aber nenn mich bitte Lynn. Komm gleich mit, hier ist es zu voll.“ Sie drehte sich um und ich folgte ihr Richtung Ausgang. Das war die Gelegenheit mich zu sammeln und meine Gefühle in den Griff zu bekommen, sie war mir zwar fremd, aber trotzdem spürte ich eine Verbindung zu ihr.

Während der Fahrt war es ihr offenbar unangenehm sich mit mir zu unterhalten. Ich versuchte trotzdem mein Glück: „Wie genau wohnst du? Hast du ein Haus oder eine Wohnung?“ Sie schaute weiter konzentriert auf die Straße und ich hatte schon fast gar nicht mehr mit einer Antwort gerechnet, als sie mir doch noch eine knappe Antwort gab: „ Ich lebe gemeinsam mit meinem Mann Andrew und seinem Sohn Christopher in einem Haus etwas außerhalb.“ Es traf mich unvorbereitet, augenblicklich drehte sich mein Magen um und mir schossen die Tränen in die Augen. Sie war verheiratet und hatte einen Stiefsohn. Ich wünschte mich zurück zu meiner Großmutter, aber im gleichen Moment erinnerte ich mich an die Beerdigung, mir wurde bewusst, dass es nie ein Zurück geben würde. Ich schaute aus dem Fenster damit sie meine Tränen nicht sehen konnte. Den Rest der Fahrt schwiegen wir.

Wir näherten uns einem großen weißen Haus mit zwei Etagen, welches an ein Waldstück angrenzte. Die knallrote Haustüre öffnete sich und ich erblickte einen brünetten Jungen, er musste ungefähr in meinem Alter sein. Nachdem ich ausgestiegen war kam er zu uns und stellte sich vor. „Hi, ich bin Christopher. Du musst Samantha sein.“ Ich musterte ihn einen Moment. „Ja das bin ich wohl, nenn mich einfach Sam.“ Er grinste: “Ok Sam. Kann ich dir beim tragen helfen?“ Ich schüttelte den Kopf: „Nein danke, ich hab nur einen Koffer und der ist nicht besonders schwer.“ Lynn öffnete gerade den Kofferraum und er stand gleich neben ihr um den Koffer heraus zu heben. „Das ist nett von dir, Christopher.“ lobte sie ihn als dieser mit dem Koffer bereits in Richtung Haustür verschwand.

Als ich das Haus betrat kam mir ein angenehmer Duft von Oregano und Majoran entgegen, der meinen Magen knurren ließ. Erst jetzt merkte ich was für einen Hunger ich hatte. Christopher stand mit meinem Koffer am Fuß der Treppe und sah mich an. „Komm, ich zeig dir dein Zimmer.“ Auf dem Weg nach oben sah ich mir die Familienfotos an, auf einem waren Lynn, Christopher und ein Mann zu sehen, ich vermutete dass es sich hier um Lynn´s Ehemann Andrew handelte, er hatte wie Christopher brünettes Haar und ein strahlend weißes Lächeln, sie sahen auf diesem Foto sehr glücklich aus. „So, hier ist es. Ich gehe dann mal wieder runter. Wir warten mit dem Essen natürlich auf dich.“ Er lächelte noch einmal und ließ mich alleine. Ich schloss die Tür hinter mir und atmete erstmal tief aus. Es war unbegreiflich für mich wie verdreht die Welt nun war und ich hoffte, dass ich aus diesem Albtraum aufwachen würde. Gedankenverloren begab ich mich ins Badezimmer um den Tag von mir zu waschen. Nachdem ich mich angezogen hatte, machte ich mich gleich auf zum Abendessen.

Ich wollte gerade die Küchentür aufstoßen, als von dort aufgebrachtes Geflüster durch dringte. Ich hörte Christopher ganz deutlich: “Wie lang soll das denn gut gehen mit ihr im Haus? Du bist dir nicht mal sicher bei ihr!“ Ich hörte jemanden von links nach rechts gehen und in diesem Moment erschrak ich. Es gab einen Knall, als wenn jemand eine Hand ins Gesicht bekommen hätte. Ich ging näher an die Tür um zu lauschen und hörte eine dunkle, rauchige Stimme drohen: „Junge, zweifele niemals an meinen Entscheidungen, verstanden? Mit der Zeit wirst du sehen, was sie ist!“ Das musste Andrew sein. Ich stand dort wie versteinert, unfähig mich zu bewegen. Die Beiden konnten kaum über mich reden oder doch?

Ich hatte Angst davor welche Situation sich mir bieten könnte, aber als ich die Küche betrat, saßen Andrew und Christopher bereits am Esstisch, als sei dieses Gespräch von eben nie gewesen. Sie unterhielten sich rege und Christopher lachte sogar. Ich war verwirrt und konnte nicht vergessen was sie gesagt hatten. Nachdem sich Andrew freundlich vorgestellt hatte kam auch meine Mutter dazu. Sie war sehr zurück haltend und beobachtete mich mit einem traurigen Gesichtsausdruck. Christopher versuchte heraus zu finden welche Themen wir in der Schule hatten und bot sich als Schulführer an. "Wir fahren zusammen in die Schule, ich habe ein Auto in dem ich dich mitnehmen kann. Und wenn wir dort sind, zeige ich dir wo du die Formalitäten erledigen kannst." am Montag würde bereits der Schulalltag losgehen und da war es nur von Vorteil jemanden zu haben der mir alles zeigt. "Das klingt gut, danke."

Wir saßen, noch lange nachdem wir mit dem Essen fertig waren, in der Küche und plauderten. Diese Familie schien ein völlig intaktes Leben zu führen und dennoch ging mir das Gespräch nicht aus dem Kopf, welches ich mit angehört hatte. Ich würde einen passenderen Zeitpunkt wählen müssen um dieses Thema anzusprechen. Kurz vor Mitternacht wünschten wir uns eine gute Nacht und gingen gut gelaunt zu Bett.

Kommentare:

  1. Weia ö_Ö
    Gute Geschichte, spannender Anfang, wann gibt's mehr? *grins*

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  2. Ich stimme meiner Vorkommentatorin zu, wirklich. Je weiter ich lese desto neugieriger werde ich

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Dienstag, 27. November 2012

Story: Blutmond - Angekommen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Was bisher geschah erfahrt ihr hier: Blutmond

Mein Name ist Samantha, aber meine Freunde nennen mich Sam. Nachdem ich nun meine Habseligkeiten gepackt hatte, gab es für mich nicht mehr viel zu tun. Es stimmte mich traurig, aber ich hatte keine Wahl. Direkt nach der Beerdigung wurde ich in einem Mädchenheim untergebracht und zwei Wochen darauf stand fest, dass ich nun bei meiner Mutter leben musste, die ich nie zuvor getroffen hatte. Sie übergab mich nach meiner Geburt in die Obhut meiner Großmutter, da sie nicht für mich sorgen konnte, sie war selber noch ein Kind als sie schwanger wurde. Meine Großmutter versuchte mir meine Mutter näher zu bringen, in dem sie mir von ihr erzählte. Sie stellte sie als warmherzige und mitfühlende Frau dar und versicherte mir, dass sie mich vermissen würde. Es zerriss mir jedes Mal das Herz, wenn sie mir das sagte, aber ich verschwieg es ihr.


Nachdem das Flugzeug sicher gelandet war, drängelte ich mich nervös durch die Menschenmenge des Terminals Richtung Starbucks, ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Der Laden war überfüllt, wie an einem Samstag zu erwarten war und ich hatte keine Ahnung nach welchem Gesicht ich suchen musste. Auf dem aktuellsten Bild, welches ich von meiner Mutter kannte, war sie in meinem Alter. Mein Herz setzte einen Moment aus, als kurze Zeit später jemand auf meine Schulter tippte: „Samantha? Du siehst aus wie dein Vater.“ Ich habe ihn nie kennen gelernt, also konnte ich es nicht beurteilen. Ich drehte mich um und schaute in braune, neugierige Augen einer Frau die mich erschrocken beäugten. Sie war etwa einen Kopf größer als ich und hatte braune Haare, sie sah dem Teenager von dem Foto das ich kannte doch noch sehr ähnlich. „Hi, ähm, Mom?“ sie antwortete: „Nein, ich meine Ja, aber nenn mich bitte Lynn. Komm gleich mit, hier ist es zu voll.“ Sie drehte sich um und ich folgte ihr Richtung Ausgang. Das war die Gelegenheit mich zu sammeln und meine Gefühle in den Griff zu bekommen, sie war mir zwar fremd, aber trotzdem spürte ich eine Verbindung zu ihr.

Während der Fahrt war es ihr offenbar unangenehm sich mit mir zu unterhalten. Ich versuchte trotzdem mein Glück: „Wie genau wohnst du? Hast du ein Haus oder eine Wohnung?“ Sie schaute weiter konzentriert auf die Straße und ich hatte schon fast gar nicht mehr mit einer Antwort gerechnet, als sie mir doch noch eine knappe Antwort gab: „ Ich lebe gemeinsam mit meinem Mann Andrew und seinem Sohn Christopher in einem Haus etwas außerhalb.“ Es traf mich unvorbereitet, augenblicklich drehte sich mein Magen um und mir schossen die Tränen in die Augen. Sie war verheiratet und hatte einen Stiefsohn. Ich wünschte mich zurück zu meiner Großmutter, aber im gleichen Moment erinnerte ich mich an die Beerdigung, mir wurde bewusst, dass es nie ein Zurück geben würde. Ich schaute aus dem Fenster damit sie meine Tränen nicht sehen konnte. Den Rest der Fahrt schwiegen wir.

Wir näherten uns einem großen weißen Haus mit zwei Etagen, welches an ein Waldstück angrenzte. Die knallrote Haustüre öffnete sich und ich erblickte einen brünetten Jungen, er musste ungefähr in meinem Alter sein. Nachdem ich ausgestiegen war kam er zu uns und stellte sich vor. „Hi, ich bin Christopher. Du musst Samantha sein.“ Ich musterte ihn einen Moment. „Ja das bin ich wohl, nenn mich einfach Sam.“ Er grinste: “Ok Sam. Kann ich dir beim tragen helfen?“ Ich schüttelte den Kopf: „Nein danke, ich hab nur einen Koffer und der ist nicht besonders schwer.“ Lynn öffnete gerade den Kofferraum und er stand gleich neben ihr um den Koffer heraus zu heben. „Das ist nett von dir, Christopher.“ lobte sie ihn als dieser mit dem Koffer bereits in Richtung Haustür verschwand.

Als ich das Haus betrat kam mir ein angenehmer Duft von Oregano und Majoran entgegen, der meinen Magen knurren ließ. Erst jetzt merkte ich was für einen Hunger ich hatte. Christopher stand mit meinem Koffer am Fuß der Treppe und sah mich an. „Komm, ich zeig dir dein Zimmer.“ Auf dem Weg nach oben sah ich mir die Familienfotos an, auf einem waren Lynn, Christopher und ein Mann zu sehen, ich vermutete dass es sich hier um Lynn´s Ehemann Andrew handelte, er hatte wie Christopher brünettes Haar und ein strahlend weißes Lächeln, sie sahen auf diesem Foto sehr glücklich aus. „So, hier ist es. Ich gehe dann mal wieder runter. Wir warten mit dem Essen natürlich auf dich.“ Er lächelte noch einmal und ließ mich alleine. Ich schloss die Tür hinter mir und atmete erstmal tief aus. Es war unbegreiflich für mich wie verdreht die Welt nun war und ich hoffte, dass ich aus diesem Albtraum aufwachen würde. Gedankenverloren begab ich mich ins Badezimmer um den Tag von mir zu waschen. Nachdem ich mich angezogen hatte, machte ich mich gleich auf zum Abendessen.

Ich wollte gerade die Küchentür aufstoßen, als von dort aufgebrachtes Geflüster durch dringte. Ich hörte Christopher ganz deutlich: “Wie lang soll das denn gut gehen mit ihr im Haus? Du bist dir nicht mal sicher bei ihr!“ Ich hörte jemanden von links nach rechts gehen und in diesem Moment erschrak ich. Es gab einen Knall, als wenn jemand eine Hand ins Gesicht bekommen hätte. Ich ging näher an die Tür um zu lauschen und hörte eine dunkle, rauchige Stimme drohen: „Junge, zweifele niemals an meinen Entscheidungen, verstanden? Mit der Zeit wirst du sehen, was sie ist!“ Das musste Andrew sein. Ich stand dort wie versteinert, unfähig mich zu bewegen. Die Beiden konnten kaum über mich reden oder doch?

Ich hatte Angst davor welche Situation sich mir bieten könnte, aber als ich die Küche betrat, saßen Andrew und Christopher bereits am Esstisch, als sei dieses Gespräch von eben nie gewesen. Sie unterhielten sich rege und Christopher lachte sogar. Ich war verwirrt und konnte nicht vergessen was sie gesagt hatten. Nachdem sich Andrew freundlich vorgestellt hatte kam auch meine Mutter dazu. Sie war sehr zurück haltend und beobachtete mich mit einem traurigen Gesichtsausdruck. Christopher versuchte heraus zu finden welche Themen wir in der Schule hatten und bot sich als Schulführer an. "Wir fahren zusammen in die Schule, ich habe ein Auto in dem ich dich mitnehmen kann. Und wenn wir dort sind, zeige ich dir wo du die Formalitäten erledigen kannst." am Montag würde bereits der Schulalltag losgehen und da war es nur von Vorteil jemanden zu haben der mir alles zeigt. "Das klingt gut, danke."

Wir saßen, noch lange nachdem wir mit dem Essen fertig waren, in der Küche und plauderten. Diese Familie schien ein völlig intaktes Leben zu führen und dennoch ging mir das Gespräch nicht aus dem Kopf, welches ich mit angehört hatte. Ich würde einen passenderen Zeitpunkt wählen müssen um dieses Thema anzusprechen. Kurz vor Mitternacht wünschten wir uns eine gute Nacht und gingen gut gelaunt zu Bett.

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  1. Weia ö_Ö
    Gute Geschichte, spannender Anfang, wann gibt's mehr? *grins*

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  2. Ich stimme meiner Vorkommentatorin zu, wirklich. Je weiter ich lese desto neugieriger werde ich

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