Donnerstag, 20. Juni 2013

Story: The Huntsmen - Liam - Das Ritual

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Was bisher geschah erfahrt ihr hier: The Huntsmen

Megans Körper lag, bekleidet in einem weißen Spitzenkleid, auf dem Altar, umringt von zwölf brennenden Fackeln, inmitten einer kleinen Lichtung. Wenn ich der Schamanin glauben durfte, dann musste Sofias Seele, auch nach so langer Zeit, noch dort draußen sein. Sie hatte mir erklärt, dass es nach dem Tod ein Weiterleben in einer anderen Welt gab. Da sie es bereits an mir demonstriert hatte, lag mir der Beweis vor. Ob es nun Welten, Dimensionen oder sogar den Himmel gab, interessierte mich dabei nicht. Hauptsache sie holte Sofia zu mir zurück.

Konzentriert verteilte Rahla die benötigten Utensilien und sprach dabei ununterbrochen Formeln vor sich her. Zwischendurch hörte ich eine Melodie heraus, die sich aber immer wieder veränderte. Ungeduldig ging ich am Rand des Kreises entlang. Ich fühlte mich wie ein junger Bursche, der einem Fräulein das erste Mal den Hof machte. Ich hatte mich für meinen besten Gehrock entschieden und hoffte, dass sie mich trotz meines neuen Körpers erkennen würde.
Die Schamanin richtete sich auf und erklärte: »Es ist so weit. Wo bleibt er?«
Sie hatte recht, er war sehr spät dran. Ich schaute auf meine Uhr und stellte fest, dass er bereits vor einer halben Stunde hätte eintreffen sollen. Das Knacken von Ästen schnitt mir das Wort ab. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht begrüßte er mich: »Ich bin doch da. Die Wegbeschreibung ließ doch sehr zu wünschen übrig.«
Mikael trat aus dem Gebüsch und befreite sich dabei gleichzeitig von dem Laub an seiner Kleidung. Pikiert darüber moserte er rum: »Liam, was wird das hier? Hätte man das nicht genau so gut auf deinem Anwesen durchziehen können, anstatt im Nirgendwo?«
Genervt verdrehte ich die Augen und schnauzte ihn an: »Was fragt ihr mich das? Eure Schamanin wählte den Ort aus.«
Sein Blick wanderte von mir zu Rahla, doch wechselte er das Thema: »Logan sucht Hilfe bei meiner Schwester, um sie zu befreien.«, er deutete auf den leblosen Körper von Megan. Bei dem Gedanken musste ich lächeln. Wie würde Logan wohl auf ihren Tod reagieren? Zu gern würde ich das Leid in seinen Augen genießen.

»Sobald das Ritual vollzogen ist, gibt es niemanden mehr den er retten kann«, sagte ich zu dem Werwolf. Aufregung machte sich in mir breit, die Vorfreude, meine große Liebe in die Arme zu schließen, wurde unerträglich.
Also fragte ich den Wolf aufbrausend: »Hast du es dabei?«
Als Antwort holte er etwas hervor, das in ein helles Leinentuch eingepackt war. Als ich danach griff, zog er seine Hand zurück und musterte mich stirnrunzelnd.
»Denk daran, dass ich es zurückbringen muss. Es darf niemand merken, dass es überhaupt weg war.«
Diese Werwölfe, immer tun sie so wichtig. Er vergaß, wo sein Platz war, als ob ich mir etwas von ihm sagen lassen würde. Entzückend, dass er glaubte hierbei Einfluss zu haben.
»Mikael, du wiederholst dich. Nun gib es ihr schon!«
Er rollte einen Stein aus dem Leinentuch und übergab ihn an die Schamanin. Überrascht fragte ich: »Ein Stein? Darum macht ihr einen solchen Aufstand?«
Wütend drehte Mikael sich zu mir um: »Es ist der 'Brashan'. Jeder Rudelführer legt auf ihm den Bluteid ab, wenn er dem Rudel die Treue schwört.«
Verblüfft hob ich eine Augenbraue an und fragte: »Was macht das für einen Sinn? Es ist und bleibt ein Stein.«, mein Blick ruhte skeptisch auf dem Brocken.
Nun atmete er schwer aus und blickte hilfesuchend zur Schamanin. Sie lächelte uns an und versuchte es mir zu erklären: »Der 'Brashan' ist durchtränkt von dem Blut der Rudelführer und somit mit deren Energie, er funktioniert wie ein Verstärker. Stellt ihn euch, wie einen großen Altar vor, auf dem regelmäßig Jungfrauen geopfert werden.«

Eine Stunde später schritt die Schamanin immer noch um den Altar herum, leise vor sich her flüsternd. Am liebsten wäre ich ihr an die Gurgel gegangen, ich fragte mich, warum das so lange dauerte.
»Rahla stimmt was nicht?«, fragte ich nach.
Sie schritt weiter den Kreis entlang, während sie mir antwortete: »Sie kämpfen gegen mich an.«
Ich glaubte, mich verhört zu haben: »Sie?«, aber sie nickte nur.
»Was meint ihr mit Sie?«, fuhr ich sie nun angesäuert an.
Erschrocken hob sie ihren Blick: »Megan und Sofia. Sie wehren sich.«
»Aber Megan ist tot?«, zornig starrte ich sie nieder. Ich roch die Angst, die sie überkam. Dieses widerspenstige Weib legte mir immer noch Steine in den Weg.
»Es ist nicht so einfach zu erklären. Ich werde es schaffen, gebt mir nur Zeit.«

Nochmal fast eine Stunde später veränderte sich das Wetter. Die Baumkronen um uns schwankten im starken Wind. Blätter und kleine Äste flogen durch die Luft. Dann spürte ich die Energie, die sich um uns sammelte. Erst schossen die Flammen der Fackeln empor, um anschließend plötzlich zu erlöschen. Dann Stille. Kein Vogelzwitschern, kein Blatt, das sich rührte. Die Energie um uns ebbte langsam ab. Erst als sie vollständig verschwunden war, wagte ich das Wort zu ergreifen: »Was war das?«
Aus der Dunkelheit heraus antwortete mir die dünne Stimme der Schamanin: »Es ist getan.«
Neben mir keuchte Mikael auf, als die Fackeln wie aus Geisterhand wieder feuer fingen. Rahla kniete erschöpft vor dem Altar, auf dem sich nun Megan, nein, Sofia aufrichtete.
Desorientiert schweifte ihr Blick über die Lichtung, bis sie mich erblickte.
Erwartungsvoll wartete ich ab, ob sie mich erkennen würde. Aber die erhoffte Freude in ihrem Gesicht blieb aus, stattdessen verzerrte es sich zu einer wütenden Fratze.
Einen Wimpernschlag später stand sie vor mir: »Bastard.«
»Sofia, Liebste, ich freue mich auch euch zu sehen«, begrüßte ich sie überglücklich.

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Donnerstag, 20. Juni 2013

Story: The Huntsmen - Liam - Das Ritual

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Was bisher geschah erfahrt ihr hier: The Huntsmen

Megans Körper lag, bekleidet in einem weißen Spitzenkleid, auf dem Altar, umringt von zwölf brennenden Fackeln, inmitten einer kleinen Lichtung. Wenn ich der Schamanin glauben durfte, dann musste Sofias Seele, auch nach so langer Zeit, noch dort draußen sein. Sie hatte mir erklärt, dass es nach dem Tod ein Weiterleben in einer anderen Welt gab. Da sie es bereits an mir demonstriert hatte, lag mir der Beweis vor. Ob es nun Welten, Dimensionen oder sogar den Himmel gab, interessierte mich dabei nicht. Hauptsache sie holte Sofia zu mir zurück.

Konzentriert verteilte Rahla die benötigten Utensilien und sprach dabei ununterbrochen Formeln vor sich her. Zwischendurch hörte ich eine Melodie heraus, die sich aber immer wieder veränderte. Ungeduldig ging ich am Rand des Kreises entlang. Ich fühlte mich wie ein junger Bursche, der einem Fräulein das erste Mal den Hof machte. Ich hatte mich für meinen besten Gehrock entschieden und hoffte, dass sie mich trotz meines neuen Körpers erkennen würde.
Die Schamanin richtete sich auf und erklärte: »Es ist so weit. Wo bleibt er?«
Sie hatte recht, er war sehr spät dran. Ich schaute auf meine Uhr und stellte fest, dass er bereits vor einer halben Stunde hätte eintreffen sollen. Das Knacken von Ästen schnitt mir das Wort ab. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht begrüßte er mich: »Ich bin doch da. Die Wegbeschreibung ließ doch sehr zu wünschen übrig.«
Mikael trat aus dem Gebüsch und befreite sich dabei gleichzeitig von dem Laub an seiner Kleidung. Pikiert darüber moserte er rum: »Liam, was wird das hier? Hätte man das nicht genau so gut auf deinem Anwesen durchziehen können, anstatt im Nirgendwo?«
Genervt verdrehte ich die Augen und schnauzte ihn an: »Was fragt ihr mich das? Eure Schamanin wählte den Ort aus.«
Sein Blick wanderte von mir zu Rahla, doch wechselte er das Thema: »Logan sucht Hilfe bei meiner Schwester, um sie zu befreien.«, er deutete auf den leblosen Körper von Megan. Bei dem Gedanken musste ich lächeln. Wie würde Logan wohl auf ihren Tod reagieren? Zu gern würde ich das Leid in seinen Augen genießen.

»Sobald das Ritual vollzogen ist, gibt es niemanden mehr den er retten kann«, sagte ich zu dem Werwolf. Aufregung machte sich in mir breit, die Vorfreude, meine große Liebe in die Arme zu schließen, wurde unerträglich.
Also fragte ich den Wolf aufbrausend: »Hast du es dabei?«
Als Antwort holte er etwas hervor, das in ein helles Leinentuch eingepackt war. Als ich danach griff, zog er seine Hand zurück und musterte mich stirnrunzelnd.
»Denk daran, dass ich es zurückbringen muss. Es darf niemand merken, dass es überhaupt weg war.«
Diese Werwölfe, immer tun sie so wichtig. Er vergaß, wo sein Platz war, als ob ich mir etwas von ihm sagen lassen würde. Entzückend, dass er glaubte hierbei Einfluss zu haben.
»Mikael, du wiederholst dich. Nun gib es ihr schon!«
Er rollte einen Stein aus dem Leinentuch und übergab ihn an die Schamanin. Überrascht fragte ich: »Ein Stein? Darum macht ihr einen solchen Aufstand?«
Wütend drehte Mikael sich zu mir um: »Es ist der 'Brashan'. Jeder Rudelführer legt auf ihm den Bluteid ab, wenn er dem Rudel die Treue schwört.«
Verblüfft hob ich eine Augenbraue an und fragte: »Was macht das für einen Sinn? Es ist und bleibt ein Stein.«, mein Blick ruhte skeptisch auf dem Brocken.
Nun atmete er schwer aus und blickte hilfesuchend zur Schamanin. Sie lächelte uns an und versuchte es mir zu erklären: »Der 'Brashan' ist durchtränkt von dem Blut der Rudelführer und somit mit deren Energie, er funktioniert wie ein Verstärker. Stellt ihn euch, wie einen großen Altar vor, auf dem regelmäßig Jungfrauen geopfert werden.«

Eine Stunde später schritt die Schamanin immer noch um den Altar herum, leise vor sich her flüsternd. Am liebsten wäre ich ihr an die Gurgel gegangen, ich fragte mich, warum das so lange dauerte.
»Rahla stimmt was nicht?«, fragte ich nach.
Sie schritt weiter den Kreis entlang, während sie mir antwortete: »Sie kämpfen gegen mich an.«
Ich glaubte, mich verhört zu haben: »Sie?«, aber sie nickte nur.
»Was meint ihr mit Sie?«, fuhr ich sie nun angesäuert an.
Erschrocken hob sie ihren Blick: »Megan und Sofia. Sie wehren sich.«
»Aber Megan ist tot?«, zornig starrte ich sie nieder. Ich roch die Angst, die sie überkam. Dieses widerspenstige Weib legte mir immer noch Steine in den Weg.
»Es ist nicht so einfach zu erklären. Ich werde es schaffen, gebt mir nur Zeit.«

Nochmal fast eine Stunde später veränderte sich das Wetter. Die Baumkronen um uns schwankten im starken Wind. Blätter und kleine Äste flogen durch die Luft. Dann spürte ich die Energie, die sich um uns sammelte. Erst schossen die Flammen der Fackeln empor, um anschließend plötzlich zu erlöschen. Dann Stille. Kein Vogelzwitschern, kein Blatt, das sich rührte. Die Energie um uns ebbte langsam ab. Erst als sie vollständig verschwunden war, wagte ich das Wort zu ergreifen: »Was war das?«
Aus der Dunkelheit heraus antwortete mir die dünne Stimme der Schamanin: »Es ist getan.«
Neben mir keuchte Mikael auf, als die Fackeln wie aus Geisterhand wieder feuer fingen. Rahla kniete erschöpft vor dem Altar, auf dem sich nun Megan, nein, Sofia aufrichtete.
Desorientiert schweifte ihr Blick über die Lichtung, bis sie mich erblickte.
Erwartungsvoll wartete ich ab, ob sie mich erkennen würde. Aber die erhoffte Freude in ihrem Gesicht blieb aus, stattdessen verzerrte es sich zu einer wütenden Fratze.
Einen Wimpernschlag später stand sie vor mir: »Bastard.«
»Sofia, Liebste, ich freue mich auch euch zu sehen«, begrüßte ich sie überglücklich.

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